20 Min. Lesezeit
Katrin Strabel
10. Oktober 2026

Der Wasserfleck im Flur: Warum Hinschauen sich so schwer anfühlen kann

Ein Wasserfleck an der Wand, ein kratzender Hals und die Frage, was Du so lange übersiehst, bis Du bereit bist, wirklich hinzuschauen. Eine Geschichte darüber, warum das, was Du übermalst, oft genau dorthin führt, wo Du Dich selbst wiederfinden kannst.

 

Flurecke mit Türrahmen, Fußleiste und einem dunklen Wasserfleck an der Wand

Es ist Freitagabend.

Die Woche liegt hinter Dir und als Du die Haustür aufschließt, bist Du endlich zu Hause. Du stellst Deine Tasche ab, ziehst die Schuhe aus und gehst durch den Flur. Dein lange ersehntes Wochenende hat eben begonnen.

Und da ist er wieder – der Wasserfleck vom Frühjahr.

Nachdem Du vor ein paar Monaten die Wand mit zwei Schichten weißer Farbe frisch gestrichen und den letzten Pinselstrich gesetzt hattest, sah alles wieder ordentlich, schön hell und sauber aus. Der Geruch nach Farbe lag mehrere Tage in der ganzen Wohnung und doch fühlte sich alles ein wenig wohliger und leichter an.

Seit ein paar Wochen ist der Fleck wieder präsent. Du hast ihn immer mal mit kurzen Blicken gestreift und Dir dann gesagt: „Am Wochenende kümmere ich mich darum“. Doch das Wochenende verging, dann kam wieder eines und danach noch eines. Es gab so vieles, das wichtiger erschien. Ein Einkauf, ein Besuch, die Wäsche, Deine Arbeit, die liebe Familie, irgendetwas gab es immer, das erledigt werden wollte.

Jetzt ist wieder Freitagabend. Du bleibst stehen und Dein Blick bleibt einen Augenblick länger an der Wand hängen. Der Fleck kommt Dir viel größer vor als damals. An einer Stelle hat sich sogar die Farbe leicht gelöst.

Vielleicht kennst Du diesen Moment. Du weißt längst, dass etwas Deine Aufmerksamkeit möchte, und doch findest Du erstaunlich viele Gründe, Dich lieber mit etwas anderem zu beschäftigen.

Also schaust Du weg, gehst weiter und nimmst Dir erneut vor, Dich später darum zu kümmern.

Noch ist der Zeitpunkt offenbar nicht gekommen.

Der Hals, der kratzt

Hand hält eine weiße Tasse mit Tee im Morgenlicht vor einem Holzzaun

Am Samstagmorgen wachst Du auf und bemerkst schon beim ersten Schlucken dieses Kratzen im Hals. Es fühlt sich an, als hättest Du über Nacht Sandpapier geschluckt. Während Du in der Küche den Wasserkocher einschaltest und Dir einen Halswohltee aufbrühen möchtest, denkst Du kurz daran, wie voll die vergangene Woche gewesen ist und wie sehr Du versucht hast, allem gerecht zu werden.

Dieses Wochenende wolltest Du einmal ganz zur Ruhe kommen. Ausschlafen, einen Spaziergang machen, mit einer Tasse Tee am Fenster sitzen und nichts erledigen. Während Du noch darüber nachdenkst, spürst Du das Kratzen immer deutlicher.

Für mich sind körperliche Signale mehr als etwas, das einfach verschwinden soll. Ich glaube, dass Dein Körper auf seine Weise mit Dir spricht und dass hinter einem körperlichen Thema auch eine seelische Ebene liegen kann, die gesehen werden möchte.

Gerade beim Hals lohnt sich für mich deshalb die Frage, was vielleicht schon länger unausgesprochen geblieben ist.

🌀Wo schluckst Du etwas hinunter, obwohl in Dir längst etwas anderes gehört werden möchte?

🌀Und wann hast Du Dir zuletzt erlaubt, auszusprechen, was wirklich in Dir lebt?

Vielleicht kennst Du die Situation, dass Dein Körper irgendwann eine Pause einfordert, weil Du sie Dir über lange Zeit nicht gegeben hast. Dann liegt in einem solchen Symptom für mich nicht nur etwas, das verschwinden soll, sondern auch eine Einladung, wieder mit Dir selbst in Verbindung zu kommen.

Während Du am Samstagmorgen mit Deiner Tasse am Fenster sitzt, wandert Dein Blick ganz automatisch in den Flur und bleibt natürlich wieder bei diesem Fleck an der Wand hängen.

Das gelbe Lämpchen

Später fährst Du zum Einkaufen.

Als Du an der nächsten Kreuzung stehen bleibst, leuchtet wieder dieses kleine gelbe Symbol auf Deinem Armaturenbrett auf. Du kennst es schon, seit Tagen begleitet es Dich und erinnert Dich daran, dass irgendwo etwas überprüft werden möchte.

Da heute keine Werkstatt geöffnet hat, drehst Du Deine Lieblingsmusik ein wenig lauter und fährst weiter. Du kennst diesen Reflex: Solange das Auto fährt, wird es schon gehen.

Dabei würdest Du bei einem ungewöhnlichen Geräusch vermutlich keinen Gedanken daran verschwenden, wochenlang einfach weiterzufahren. Du würdest einen Termin in der Werkstatt vereinbaren und der Sache auf den Grund gehen.

Auf einmal sind Deine Halsschmerzen wieder da. Und mit ihnen der Gedanke an Deine innere Unruhe, die Dich fast jede Nacht um drei Uhr wach werden lässt, und an Deine Müdigkeit, die selbst nach ausreichend Schlaf nicht richtig verschwinden möchte. Auch das Gefühl, weiterhin funktionieren zu müssen, obwohl in Dir schon längst etwas nach Veränderung ruft, ist ganz präsent.

Für die „Lampe“ in Dir nimmst Du Dir leider häufig keine Zeit. Genauso wenig wie für einen doch so wichtigen Kontrolltermin.

Dabei können Dir diese Signale wertvolle Hinweise über Deine Gesundheit geben und Dir tiefere Erkenntnisse über Dich selbst liefern. Nicht immer verstehst Du sofort, was Dich gerade beschäftigt oder was Du brauchst. Deshalb ist es wichtig, Dir selbst die Zeit zu geben, innezuhalten und genauer hinzuhören. Und manchmal braucht es ein paar Versuche, bis Du bereit bist, zu entdecken, wo Du schon lange über Deine eigenen Bedürfnisse hinweggehst und was sich in Deinem Leben verändern darf.

Frisch gestrichen

Farbeimer, Rollen und Deckel mit weißer Wandfarbe auf Pappe, daneben Farbspritzer

Vom Einkaufen zurück gehst Du am Nachmittag durch Deine Wohnung und erinnerst Dich an all die Dinge, die Du in den vergangenen Monaten verändert hast.

Du hattest Dir die Haare schneiden lassen und Dich beim Blick in den Spiegel für einen Moment so gefühlt, als würde tatsächlich etwas Neues beginnen. Du hast Möbel verrückt, neue Bilder aufgehängt und Dein Schlafzimmer so verändert, dass es sich wieder mehr nach Dir anfühlt. Auf Deinem Laptop ist noch immer die Stellenanzeige geöffnet, die Du Dir seit Tagen ansiehst, weil ein Teil von Dir spürt, dass auch beruflich etwas in Bewegung kommen möchte.

Solche Veränderungen können unglaublich gut tun.

Wenn außen etwas neu wird, entsteht oft auch im Inneren für einen Moment dieses Gefühl von Auf- und Umbruch. So wie damals, als die Farbe an der Flurwand getrocknet war und Du am Abend davorstandest und dachtest: „Jetzt sieht alles wieder gut aus.“

Doch manchmal reicht eine neue Farbe nicht aus, wenn das Muster darunter geblieben ist. Irgendwann kommt es wieder zum Vorschein, manchmal sogar deutlicher als zuvor. Vielleicht kennst Du das: Du ziehst in eine neue Wohnung und nimmst Deine alten Ängste im Umzugskarton mit. Du wechselst den Arbeitsplatz und stehst nach einiger Zeit wieder an einem ähnlichen Punkt wie zuvor. Oder Du beginnst eine neue Beziehung und begegnest plötzlich denselben Unsicherheiten und alten Verletzungen, die Du bereits aus früheren Beziehungen kennst.

Dann zeigt sich eine wichtige Möglichkeit: Vielleicht liegt es nicht allein an der Wohnung, am Arbeitsplatz oder am Menschen an Deiner Seite. Vielleicht wartet die Veränderung an einer viel tieferen Stelle auf Dich.

Was wäre, wenn sie genau dort beginnt, wo Du Dich selbst fragst, was Du bisher alles übermalt hast, anstatt es Dir einmal genauer anzuschauen?

Was könnte sich aktuell bei Dir verändern, wenn Du mit Deiner Vergangenheit Frieden schließen könntest?

Das Regal mit den Versprechen

Regal mit Stern und Stein, dahinter ein weiches Schattenspiel an der Wand im goldenen Abendlicht

Am Abend fährst Du noch schnell in die Drogerie, um Dir einen wohligen Badezusatz zu holen, und plötzlich stehst Du vor einem Regal, das bis weit nach oben mit Dosen, Fläschchen und Versprechen gefüllt ist. Auf den Verpackungen stehen Worte wie Energie, Vitalität und Wohlbefinden. Du liest einige Etiketten und spürst diesen kleinen Gedanken in Dir: Vielleicht fehlt mir genau das. Vielleicht braucht mein Körper einfach noch die Unterstützung von einem guten Präparat, das mein Wohlbefinden wieder ins Gleichgewicht bringt.

Du nimmst zwei Dosen aus dem Regal und gehst zur Kasse. Für den Moment fühlt es sich gut an, doch als Du später im Auto sitzt und die Verpackungen auf dem Beifahrersitz betrachtest, kommt Dir eine ganz andere und so viel wichtigere Frage:

„Was, wenn es nicht nur darum geht, was meinem Körper von außen fehlt, sondern auch darum, was in meinem Inneren schon lange gesehen werden möchte?“

Natürlich gibt es körperliche Bedürfnisse und Nährstoffmängel, und vieles davon lässt sich medizinisch klären, zum Beispiel über Blutwerte und das Gespräch mit Ärztin, Arzt oder Apotheke, und gleichzeitig gibt es Deine innere Welt. Beides gehört für mich ganz klar zusammen: der Blick auf den Körper und der Blick auf das, was dahinter liegen könnte.

Manchmal erinnert Dich Dein Körper daran, genauer hinzuschauen. Und vielleicht öffnet sich dabei eine Tür, hinter der Du etwas Wertvolles entdecken kannst, das bisher noch nicht in Deinem Bewusstsein war.

Der Spiegel am Abend

Später stehst Du im Badezimmer. Für Dein vorhin gekauftes Wohlfühlbad bist Du schon zu müde und das Licht über dem Spiegel ist wieder mal viel heller, als Dir lieb ist. Du nimmst den kleinen Tiegel aus dem Schrank, der mehr gekostet hat als Dein letztes feines Abendessen, und verteilst die Creme sorgfältig auf Deiner Haut.

Du schaust in den Spiegel und siehst, wie die Haut ein wenig stärker glänzt als noch eben. Und doch hast Du nicht das Gefühl, dass sie wirklich strahlt.

Du kennst diese Hoffnung nur zu gut und wünschst Dir nichts sehnlicher, als dass sich durch eine Veränderung im Außen auch das Gefühl in Dir verändert und Du Dich endlich wieder wohler in Deiner Haut fühlen kannst.

Für mich ist die Haut dabei ein besonders schönes Bild, denn sie ist die Grenze zwischen Deinem Inneren und Deiner äußeren Welt.

Wenn ein Hautthema auftaucht, kann deshalb die Frage interessant werden, wie es gerade um Deine persönlichen Grenzen steht.

Wo sagst Du „Ja“, obwohl Du „Nein“ meinst?

Wo lässt Du Menschen näher an Dich heran, als es sich für Dich gut anfühlt?

Und wo hältst Du Menschen weiter auf Distanz, obwohl Du Dir so sehr Nähe und Verbundenheit wünschst?

Das ist keine Diagnose und ersetzt selbstverständlich nicht den Blick auf körperliche Ursachen. Es ist vielmehr eine Einladung, zusätzlich nach innen zu schauen und Dich selbst ein Stück besser kennenzulernen.

Vielleicht liegt genau dort eine Erkenntnis, die schon lange darauf wartet, von Dir gehört zu werden.

Was Dir Dein Schutz erzählen möchte

Rostige Kette mit bunten Vorhängeschlössern vor blauem Himmel – Sinnbild für alte Schutzmuster

Als Du später das Licht ausschaltest, liegt die Wohnung im Dunkeln.

Du ziehst die Decke über Dich und denkst noch einmal an den Wasserfleck im Flur. Warum fällt es Dir so schwer, hinzuschauen?

Vielleicht, weil hinter diesem Fleck etwas wartet, das Du schon einmal gesehen hast und das zu sehr wehgetan hat. Eine Zurückweisung, ein Satz aus Deiner Kindheit oder eine Erfahrung, bei der Du gelernt hast, dass es sicherer ist, Dich anzupassen, still zu sein oder Deine eigenen Bedürfnisse ein wenig weiter nach hinten zu schieben.

Irgendwann hat Dein Inneres daraus eine Strategie entwickelt.

Wenn es weh tut, schaue ich lieber nicht hin.

Wenn ich nicht darüber spreche, bleibt es ruhig.

Wenn ich mich anpasse, gehöre ich dazu.

Und so beginnt das Übermalen. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Schutz.

Dieser Schutz war vielleicht einmal unglaublich wichtig für Dich. Er hat Dir geholfen, durch eine Zeit zu kommen, in der Du noch gar keine andere Möglichkeit hattest. Er half Dir, Beziehungen aufrechtzuerhalten, Erwartungen zu erfüllen oder Dich in Deiner Familie sicher zu fühlen.

Deshalb geht es nicht darum, diese Schutzstrategie zu ignorieren oder zu bekämpfen, sondern sie zu verstehen. Du darfst ihr dafür danken, dass sie Dich vielleicht nun schon eine lange Zeit begleitet und Dir geholfen hat, mit schwierigen Situationen umzugehen, und danach darfst Du Dich fragen, ob Du sie heute noch brauchst und ob sie Dir noch guttut.

Vielleicht entsteht genau dadurch etwas Neues:

✨Du darfst aufhören, gegen Dich selbst zu arbeiten, und neugierig werden auf das, was hinter Deinem Schutz liegt.

✨Du darfst die Ursache erforschen und Dich ehrlich fragen, woher das Wasser kommen könnte, ohne Dich dafür zu verurteilen, dass Du es so lange nicht sehen wolltest.

Wessen Wasser tropft da?

Moosbewachsene Baumwurzeln auf einem Waldboden voller Herbstlaub – Sinnbild für Herkunft und Ahnenlinie

Deine Gedanken haben sich gerade beruhigt und Du bist kurz vorm Einschlafen, als auf einmal das Telefon klingelt. Auf dem Display erkennst Du, dass es Deine Mutter ist. Du überlegst kurz, ob Du rangehst, doch schnell kommt Unruhe in Dir auf: Es könnte wichtig sein!

Doch ihr Gespräch ist ganz alltäglich. Sie erzählt Dir vom Garten, von einer Kleinigkeit aus der Nachbarschaft und davon, was am Wochenende noch erledigt werden soll. Du hörst ihr geduldig zu und lächelst angespannt, bis plötzlich dieser eine Satz fällt, den Du schon als Kind so oft gehört hast: „Man darf nicht zu viel wollen.“ Dir fehlen die Worte und Du sagst nichts.

Nachdem ihr aufgelegt habt, bleibst Du noch einen Moment im Bett sitzen.

Und plötzlich siehst Du vor Deinem inneren Auge das Haus Deiner Mutter. Den Flur, die alten Wände und die Räume, in denen sie selbst einmal Kind gewesen ist. Während Du dieses Bild vor Deinem inneren Auge betrachtest, entsteht in Dir eine Frage, die viel größer ist als dieser eine Satz: „Wessen Wasser tropft da wirklich?“

Vielleicht hast Du aus Deinem familiären Umfeld vieles unbewusst übernommen und im Laufe der Zeit zu Deiner eigenen Wahrheit gemacht, ohne es bisher zu hinterfragen. Schon früh magst Du gespürt haben, was andere von Dir erwarteten, und hast dadurch gelernt, Dich zurückzunehmen und Rollen anzunehmen, die Dir Sicherheit gaben, obwohl sie Deiner eigenen Persönlichkeit gar nicht entsprachen.

Und manches, was Du in Dir trägst, könnte sogar lange vor Deiner eigenen Lebensgeschichte seinen Ursprung haben.

In meiner Arbeit zeigt sich nicht selten, dass Muster sehr viel älter sein können als das eigene Leben. Erfahrungen und Gefühle können innerhalb einer Familie weiterwirken und sich in einer späteren Generation auf eine Weise zeigen, die zunächst gar nicht mit der eigenen Geschichte verbunden zu sein scheint. Dahinter kann eine tiefe Verbundenheit zu Deiner Herkunftsfamilie und Ahnenlinie liegen, eine unbewusste Loyalität, die sich vielleicht ganz leise und unbemerkt in negativen Glaubenssätzen zeigt:

🌀„Wenn ich es leichter habe als sie, verrate ich sie.“

🌀„Wenn ich meinen eigenen Weg gehe, gehöre ich vielleicht nicht mehr dazu.“

🌀„Ich darf es nicht besser machen als meine Eltern.“

Und plötzlich wird verständlich, warum Hinschauen sich so schwer anfühlen kann.

Denn manchmal geht es beim Hinschauen nicht nur um Dich. Es geht um Zugehörigkeit und um die unbewusste Angst, jemanden zurückzulassen, wenn Du selbst beginnst, freier zu leben.

Der Moment, in dem es reicht

Es ist kurz nach Mitternacht. Du liegst immer noch wach, Deine Gedanken kreisen und Du schaust zur Decke. Durch das Fenster fällt das helle Licht des Mondes und zeichnet Schatten auf Deine Bettdecke. Irgendwo im Haus knackt das Holz, dann wird es wieder still, sodass Du Deinen eigenen Atem hören kannst.

Gleichzeitig nimmst Du ein leises Tropfen wahr. Du fragst Dich, ob es vom Wasserfleck in Deinem Flur kommt, wo sich das Wasser langsam seinen Weg durch die Wand sucht, oder ob es die Erinnerung an all die Momente ist, in denen Du etwas gespürt und Dich dennoch dazu entschieden hast, weiterzumachen wie bisher.

Der Wasserfleck, Dein Halskratzen, das gelbe Lämpchen, das Drogerieregal, der Badspiegel und auch der Satz Deiner Mutter – plötzlich scheint vieles miteinander verbunden zu sein und ergibt Sinn.

Du merkst, dass Du nicht länger wegschauen kannst und möchtest.

Entschlossen knipst Du das Licht an, schlägst Deine Bettdecke zurück und gehst barfuß durch Deine Wohnung. Im Flur bleibst Du vor der Wand stehen und legst Deine Hand an die Stelle, an der sich die Farbe leicht verändert hat.

Dann atmest Du tief ein, nimmst all Deinen Mut zusammen und gibst Dir selbst Dein Wort. Erst flüsternd, dann immer fester sagst Du es in die Stille hinein:

„Jetzt reicht es. Ich möchte wissen, wer ich bin. Welche Verhaltensweisen zu mir gehören und welche ich von anderen übernommen habe und für sie trage.“

Du spürst, wie Dein Herz schneller schlägt und Angst und Aufregung zugleich da sind. Du weißt noch nicht, was Du entdecken wirst oder wohin Dich diese Erkenntnis führen wird. Doch zum ersten Mal seit Langem hast Du das Gefühl, nicht länger vor Dir selbst davonlaufen zu wollen.

Mit diesem Impuls ist noch nicht alles leichter geworden, doch etwas in Dir hat sich verändert: Du bist bereit, Dir selbst zuzuhören.

Und genau hier beginnt für mich Veränderung. Nicht dort, wo Du Dich noch stärker antreibst und versuchst, alles im Griff zu behalten, sondern dort, wo Du ehrlich hinschaust und Dir wieder zuhörst.

Jeder Wandel beginnt in Dir 💫

Die Hand an der Wand

Morgensonne scheint durch den Nebel unter einer Eiche am Waldweg

Am nächsten Morgen fällt die Sonne durch das Fenster und legt einen warmen hellen Lichtstreifen auf den Flurboden. Auch Deinen Wasserfleck siehst Du wieder, doch diesmal gehst Du nicht einfach vorbei.

Du legst Deine Hand wieder auf die Wand und spürst die kühle Oberfläche unter Deinen Fingern. Die Ursache ist noch nicht verschwunden und gleichzeitig fühlt sich etwas anders an.

Du bist Dir jetzt sicher, dass Du hinschauen kannst, ohne von dem, was Du finden könntest, überwältigt zu werden.

Nun kannst Du Dich auf die Suche machen, in Deinem Tempo und mit Deinen eigenen Fragen. Vielleicht fühlt sich noch nicht alles leicht an, doch Du darfst Schritt für Schritt herausfinden, was Du für Deinen weiteren Weg brauchst. Und wenn Du möchtest, kannst Du Dir dabei jemanden an Deine Seite holen, der Dich begleitet.

Hinschauen bedeutet für mich nicht, in der Vergangenheit zu wühlen. Es bedeutet vielmehr, zu verstehen, was Dich geprägt hat, damit Du heute bewusster entscheiden kannst, was Du davon weitertragen möchtest.

Du erkennst dabei, welche Überzeugungen Du übernommen hast, welche Erwartungen Dir irgendwann übergestülpt wurden und welche Muster schon lange vor Deiner eigenen Geschichte begonnen haben.

Und irgendwann wird zwischen all dem wieder etwas sichtbar, das lange darunter verborgen lag: Du und Dein wahres Wesen, Deine Wünsche, Deine Fähigkeiten und Deine ganz eigene Art zu lieben.

Du kannst Deine Familie von Herzen lieben und zugleich anders leben als sie.

Und Du kannst dankbar sein für das, was Dir Deine Ahnen mitgegeben haben, und gleichzeitig entscheiden, welche Geschichte Du selbst weiterschreiben möchtest.

Und vielleicht ist genau das eines der größten Geschenke, die Du den Menschen in Deinem Leben machen kannst, ganz besonders den Kindern. Sie lernen nicht nur aus dem, was Du ihnen sagst, sondern daraus, wie Du mit Deinem eigenen Leben umgehst: ob Du Deine Gefühle wegschiebst oder ihnen Raum gibst, ob Du Dich klein machst, um anderen zu gefallen, oder den Mut entwickelst, Deinem eigenen Weg zu folgen.

Wenn Du beginnst, hinzuschauen, gibst Du ihnen etwas mit, das keine langen Erklärungen braucht. Du schenkst ihnen die Erlaubnis, sich selbst kennenzulernen und nicht jedes alte Gepäckstück aus der Familie weitertragen zu müssen. Auf diese Art und Weise dürfen sie sich frei nach ihren Fähigkeiten und Wünschen entfalten.

Wie wäre es, wenn genau hier eine Veränderung beginnt, die weit über Dich hinausreicht?

Mehr darüber, wer Du bist, wenn niemand hinschaut, findest Du in meinem gleichnamigen Artikel [Link: „Wer bist Du, wenn niemand hinschaut?“].

Die Reise gehört Dir

Dünen mit Strandgras im goldenen Licht des Sonnenaufgangs am Meer -Reise zu Dir selbst

Du stehst noch immer an der Wand. Deine Hand liegt auf der kühlen Fläche, und Du merkst, wie sich etwas in Dir ordnet. Dir wird klar: Es geht um Deinen Flur, Deine Wand und Dein Wasser.

Und solange Du die Ursache für den Wasserfleck nicht kennst, steuert sie Dich leise aus dem Hintergrund: Du reagierst nur, ohne Dich aktiv zu entscheiden, und folgst Mustern und Prägungen, die Du nie frei gewählt hast.

Erst wenn Du erkennst, woher das Wasser kommt, kann sich Dein Verhalten verändern. Denn von da an beginnst Du frei zu wählen, was Du weiterhin beibehalten möchtest, und wirst nicht mehr automatisch gelenkt.

Kein anderer Mensch kann gute Gefühle oder angenehme Gedanken in Dich hineinpflanzen, kein Ratschlag, kein Partner, keine Creme und keine Kapseln. Alle Gaben und Fähigkeiten sind schon in Dir und möchten durch Dich zum Ausdruck kommen und gelebt werden.

Niemand kann Dir die Entscheidung für Deine Veränderung abnehmen, doch Du darfst Dir Unterstützung holen und Dich begleiten lassen. Und gleichzeitig darfst Du Dir selbst die Erlaubnis geben, Deinen eigenen Weg zu gehen. Den Schlüssel zu Deinem nächsten Schritt hältst Du bereits in der Hand.

Mit dieser Erkenntnis kann sich etwas Entscheidendes verändern: Aus dem Hinschauen kann Schritt für Schritt eigenverantwortliches Handeln entstehen und Du kannst Dein Leben nach Deinen Vorstellungen gestalten: „Ich entscheide und führe mich ab sofort selbst.“

Viele Menschen bereuen am Ende ihres Lebens vor allem das, was sie nicht gelebt haben: die Worte, die unausgesprochen blieben, die Wünsche und Träume, die leiser wurden, und den Weg, der ungegangen blieb. Deshalb lohnt es sich, diese Reise zu Dir selbst nicht aufzuschieben wie das Streichen der Wand.

Vielleicht beginnt Deine Reise heute mit einer Frage:

„Was fühlst Du schon lange und konntest es bisher nicht in Worte fassen?“

Manchmal bleibt es zunächst still. Manchmal kommt ein sanfter Impuls oder eine Erinnerung aus Deiner Kindheit, die schon lange in Vergessenheit geraten ist. Und manchmal sprudeln die Ideen nur so aus Dir heraus. Erlaube Dir, dem nachzugehen, was sich gerade zeigt: ✨„Was hat einst Dein Herz zum Tanzen gebracht und Dich alle Zeit vergessen lassen, bevor Du begonnen hast zu fragen, ob es vernünftig oder für andere passend ist?“

Und vielleicht fragst Du Dich auch: ✨„Was würde ich tun, wenn ich all meine Ängste und Zweifel an die Hand nehmen könnte und gemeinsam mit ihnen auf die Reise ginge?“

Und wenn die Wand trocken ist

Stell Dir vor, Du hast Dir die Zeit genommen, die Ursache für den Wasserfleck gefunden und ihn zwar aufwändiger als gedacht, doch erfolgreich behoben. Deine Wand ist nun trocken geworden und diesmal hast Du sie nicht gestrichen, um etwas zu verdecken, sondern weil Du es Dir richtig schön machen wolltest.

Du stehst in Deinem Flur. Die warme Morgensonne fällt durchs Fenster und lässt die Wand, an der sich bis vor Kurzem noch der Wasserfleck befand, in frischem Glanz erstrahlen.

Mittlerweile liebst Du diese Stelle und manchmal schaust Du sie Dir ganz bewusst an, weil Du Dich daran erinnerst, was Dir dieser Fleck gezeigt hat: Dein Wesen und die Erkenntnis, dass Du Dein Leben in Deinem Tempo und auf Deine ganz persönliche Art und Weise leben darfst. Und während Du durch den Flur gehst, spürst Du vielleicht, was es bedeutet, wirklich zu Hause zu sein. Nicht nur in Deinen eigenen vier Wänden, sondern auch bei Dir selbst.

Was wäre, wenn der nächste Wasserfleck keine Angst und keinen Widerstand in Dir hervorruft, sondern Du Dich voller Neugierde und aufgeregter Vorfreude eingeladen fühlst, Dich noch tiefer kennenzulernen?

Wenn Du dem Wasser hinter Deiner Wand nachspüren und herausfinden möchtest, was hinter Deinen persönlichen Themen liegen könnte, begleite ich Dich von Herzen gern auf Deiner Reise zu Dir selbst.

Jeder Wandel beginnt in Dir 💫
Katrin Strabel

Kafina Coaching – Ganzheitliche Energiearbeit im Nürnberger Land

Hinweis: Dieser Artikel beschreibt meine persönliche ganzheitliche Sichtweise und ersetzt keine ärztliche, psychotherapeutische oder heilkundliche Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende Dich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.

P.S.: Wenn Dir noch jemand in den Sinn kommt, der sich auch immer wieder im Alltag verliert, teile meinen Blogbeitrag gerne. Vielleicht ist er genau die Einladung, die gerade einer Deiner Herzensmenschen braucht, um wieder mehr mit sich selbst in die Verbindung zu kommen.

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Hinweis

„Als psychologische Beraterin und Coachin, führe ich Beratungen und Anwendungen im Sinne des freien Gesundheitsberufs durch. Im Gegensatz zum Heilpraktiker und Arzt, stelle ich keine Diagnosen, führe keine medizinischen Untersuchungen und Behandlungen durch und gebe kein Heilversprechen. Meine Sitzungen dienen dem Zwecke der Gesundheitsvorsorge, der Entspannung, des Wohlbefindens und deiner Persönlichkeitsentwicklung. Dies kann auch bei bereits bestehenden Erkrankungen eine wertvolle Unterstützung sein, um zu lernen, was man selbst für eine stabile Gesundheit tun kann und gleichzeitig ersetzt meine Arbeit keinen Arztbesuch."